Signet der Notfallseelsorge

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Notfallseelsorge Magdeburg

 
 
       
 

 

 

 

 

 


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Einsatzbericht

 

 

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Der letzte sonnige Tag

Dieser 13. Oktober ist einer der letzten sonnigen Tage ehe der Herbst in diesem Jahr endgültig herein bricht. Und es ist ein voller Tag, wie wir ihn Gott sei Dank nicht ständig haben. Der erste Einsatz morgens um 5.30 Uhr, der zweite Einsatz dann am späten Mittag - beides Betreuung nach häuslichen Todesfällen.
Als mein Kollege T. und ich auf der Rückfahrt vom zweiten Einsatz sind, überlegen wir noch, ob wir jetzt zusammen einen Kaffee trinken gehen. Wir sind von Olvenstedt aus unterwegs in Richtung Stadtzentrum und wollen uns gerade bei der Leitstelle wieder frei melden, als der Funkmelder erneut anschlägt. Er meldet: "Person unter Straßenbahn Universitätsplatz". Wir fahren gerade durch und sind in wenigen Minuten da. Polizei, Rettungsdienst, Berufsfeuerwehr, MVB-Dispatcher - das ganze "große Besteck" ist schon vor Ort. Im Gleisbereich direkt an der Unfallbahn finden wir noch Platz, um zu halten.

Die erste Information lautet: eine ältere Frau ist in die Bahn gelaufen. Sie wird noch im RTW behandelt. Der Notarzt ist etwas barsch und gibt mir keine klare Auskunft zu ihrem Zustand. Ich bin unzufrieden, denn die Information, wie schwer die Frau verletzt ist, wird sicher ganz wichtig sein für den betroffenen Straßenbahnfahrer, den wir nun zu betreuen haben.

Ein MVB-Mitarbeiter bringt uns in die Bahn. Glücklicherweise also ein geschützter Raum und keine Betreuungssituation auf der Straße oder im Bulli der Verkehrspolizei. Der Fahrer sitzt im Vorderteil der Bahn, steht auf, läuft hin und her, setzt sich wieder, steht wieder auf.... Ein Bild der Fassungslosigkeit. Es ist ihm zum zweiten Mal passiert: all das, was jetzt abläuft in seinem Kopf, bei der Unfallaufnahme, im Gespräch mit seinen Vorgesetzten, hat er schon einmal erlebt. Doch dies hilft ihm nicht, jedes solcher Ereignisse ist singulär und neu belastend. Bei dem, was er sagt, stehen die Bilder des Unfalls im Vordergrund. Wie es genau passierte, was in den Sekunden vor dem Aufprall des Unfallopfers geschah, ist weit weg für ihn und verschwommen. Wir setzen uns und reden, etwa eine Viertelstunde. Dann wird der Fahrer unruhig, er möchte wissen, wie es dem Unfallopfer geht und ob die Polizei ihn jetzt noch vernehmen will. Ich steige aus der Bahn und gehe los, um Informationen einzuholen, während mein Kollege T. bei dem Fahrer bleibt. Notarzt und RTW wollen gerade losfahren, auf Zuruf bekomme ich noch die Information, daß die schwerverletzte Frau lebt. Als ich den Polizisten sage, daß ich den Bahnfahrer für nicht vernehmungsfähig halte, dann die zweite beruhigende Nachricht: die Polizei verzichtet auf eine sofortige Befragung.

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Zurück zur Bahn, wo in der Zwischenzeit mehrere MVB-Mitarbeiter bei ihrem Kollegen sind. Gemeinsam tun wir das einzige, was jetzt dran ist: ihm die beruhigenden Nachrichten bringen und ihn darin bestärken, daß er an dem Unfall mit großer Sicherheit keine Schuld trägt. Dann ein kurzes Gespräch mit den MVB-Mitarbeitern; ich bitte sie, den Kollegen nachhause zu bringen, was auch sofort organisiert wird. Der Unfallort soll schnell geräumt werden, der Bahnverkehr ist jetzt schon seit 50 Minuten unterbrochen. Bei einer Zigarette draußen vor der Bahn biete ich dem Straßenbahnfahrer eine Folgebetreuung an, wohl wissend, daß die eigentliche Belastung erst nach Tagen kommen wird, wenn der erste Schock abgeklungen ist und die Untersuchung des Hergangs ihren Lauf nimmt. Wir verabschieden uns, der Fahrer dankt uns und will jetzt nur noch schnell nachhause, weg von Unfallort. Für das gemütliche Kaffeetrinken sind mein Kollege und ich jetzt zu erschöpft, auch wir wollen nachhause und unter die Dusche.

Das Unfallopfer ist noch in der Nacht im Krankenhaus verstorben.
Der Straßenbahnschaffner hat sich einige Tage später bei der Telefonseelsorge gemeldet. Er ist noch nicht fertig mit dem Erlebten. Eine Nachbetreuung für ihn wird organisiert.
Es war unser Einsatz Nr. 79 in diesem Jahr. An einem der letzten sonnigen Tage in einem durchwachsenen Herbst.

space Sonnenuntergang
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